Schlagfertigkeit – wie du freundlich ‚Kontra‘ geben kannst

Sabrina AdamsKommunikation, Persönlichkeit, SprechenLeave a Comment

Kennst du Situationen, in denen dir Menschen unverschämte Fragen stellen? Oder, in denen dir ungefragt Feedback gegeben wird? Situationen, in denen dir Dinge an den Kopf geschmissen werden und du denkst: Was soll denn das jetzt? Du reagierst irgendwie, aber im Nachhinein wünschst du dir, du wärst schlagfertiger gewesen. Du wünschst dir, du hättest in dem Moment etwas anderes gesagt.  

In diesem Beitrag geht es um das Thema „Schlagfertigkeit“. Und zwar nicht nur darum, welche Worte du finden kannst, um ‚Kontra‘ zu geben, sondern mehr darum, wie du mit diesen Situationen umgehen kannst, dass es dir damit gut geht. 

Ich komme gerade aus einem großartigen Telefonat. Es war ein Erstgespräch mit einer Kundin, beziehungsweise mit einer Interessentin, die sich selbst und mir die Frage gestellt hat: „Wie kann ich schlagfertiger werden? Wie kann ich in solchen Situationen entsprechend ‚Kontra‘ geben? So, dass ich mich eben nicht mehr im Nachhinein ärgere.“

Erkenne die Grenzüberschreitung 

Das Wichtigste ist, dass du in solchen Situationen erkennst, was gerade passiert. Wenn dein Gegenüber dir eine unverschämte Frage stellt, dann erkenne erst einmal: Das ist eine unverschämte Frage.  

Dann kannst du dir immer noch überlegen, was du darauf antwortest. Es ist wichtig, dass du dich nicht schlecht oder in die Enge getrieben fühlst und dich ärgerst, sondern erkennst: Das ist eine unverschämte Frage. Das ist eine Grenzüberschreitung für mich. Das geht so nicht.  

Dadurch lässt du es nicht einfach so mit dir geschehen und fühlst dich danach schlecht, sondern erkennst: Wow. Nein, warte mal, was soll das jetzt? So nicht! Das geht nicht.  

Wenn du deine Grenze kennst, kannst du deine Worte viel klarer rüberbringen.  

Du agierst dann nicht mehr aus einer Abwehrhaltung oder dem Schutz heraus, frei nach dem Motto: Der eine haut auf mich los, also haue ich jetzt zurück. Sondern gehst souverän mit der Äußerung deines Gegenübers um. Du wirst deine Worte und Gedanken klar zum Ausdruck bringen. Und vor allem: Du fühlst dich gut damit.  

Oftmals beschäftigen wir uns noch ziemlich lange mit einer ärgerlichen Situation und denke Tage oder Wochen darüber nach. Manche Äußerungen hängen uns ewig hinterher. Hier gilt es zu erkennen, dass für dich eine Grenze überschritten wurde.  

Und dann entscheide, was du damit anfängst. Willst du es annehmen oder nicht?  

Ist das hier meine Baustelle? Ist das meine Sache, mein Thema? Nicht mit mir, ich zieh mir den Schuh nicht an. Ich steige gar nicht erst drauf ein.  

Und falls du denken solltest: Irgendetwas musst ich jetzt sagen. Nein, du musst nichts sagen. Du kannst auch schweigen. Denn Kommunikation besteht immer aus verbaler und nonverbaler Kommunikation. Und ein Schweigen drückt viel aus.  

Hier meine 3 Tipps für mehr Schlagfertigkeit in deiner Kommunikation: 

Tipp #1: Stelle eine Frage  

Frag dein Gegenüber: „Warum stellst du mir diese Frage? Was möchtest du damit bezwecken?“ Oder: „Warum genau hast du das gesagt? Was soll ich damit anfangen?“ 

Du wirst vielleicht feststellen, dass dein Gegenüber irritiert über deine Frage ist. Dann kann es sein, dass er/sie erst in dem Moment bemerkt, was er/sie gesagt hat. Dass es vielleicht wirklich frech oder unverschämt war. Oder aber die Aussage kam anders rüber, als sie gemeint war. Dann hat dein Gegenüber die Möglichkeit, klarzustellen, wie es tatsächlich gemeint war. Dadurch verändert sich unter Umständen die ganze Situation und das Gefühl, das in dir entstanden ist. Stelle also eine Frage. 

Tipp #2: Grenze dich und deine Meinung klar ab 

Eine andere Möglichkeit ist, dass du deinem Gegenüber aufzeigst, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Stelle klar, dass deine Meinung anders ist, als die deines Gegenübers. Signalisiere unmissverständlich: Es gibt unterschiedliche Meinungen, es gibt unterschiedliche Bewertungssysteme. Es gibt nicht unbedingt gut und schlecht oder richtig und falsch. Mach deutlich, dass du die Meinung des anderen interessant oder spannend findest und du gleichzeitig die Situation anders siehst. Lass die Meinung deines Gegenübers stehen. Aber grenze dich klar davon ab. Du kannst sagen: „Das sehe ich anders.“ Verinnerliche für dich selbst, dass dein Gegenüber andere Wertvorstellungen und eine andere Feinfühligkeit hat und das ist okay. Du persönlich findest es nicht gut und trotzdem ist es okay.  

Tipp #3: Steige aus dem Gespräch aus

Eine dritte Möglichkeit ist, zu sagen: „Ich möchte diese Frage nicht beantworten.“  

Nicht aus einer Wut heraus, weil du denkst: Wie unverschämt! Was denkt er sich, mir so eine Frage zu stellen? Du stellst einfach fest, dass hier eine Grenze für dich ist. Diese Frage findest du zu indiskret und dann erwiderst du: „Ich möchte diese Frage nicht beantworten. Ich finde sie indiskret.“ Das kannst du ganz klar kommunizieren. Das Wichtigste ist, dass du dich wohl damit fühlst.  

Es geht nicht um einen Kampf, nach dem Motto: Der hat mir jetzt eins übergehauen und jetzt haue ich zurück. Es geht darum, dass du dich in und mit deiner Kommunikation wohl fühlst. Und darum, dass du Fragen, die du nicht beantworten möchtest, nicht beantwortest. Gespräche, die du nicht führen willst, nicht führst und an Inhalten, die dich verletzen, traurig machen oder kränken, nicht teilhaben musst, wenn du das nicht willst. Du kannst jederzeit aussteigen, ohne freundlich oder unfreundlich Kontra zu geben. Du darfst dich klar abgrenzen und dir sagen: Hier hört das Gespräch für mich auf.  

Fühle dich wohl mit deiner Kommunikation. 

Natürlich ist es so, dass wir im beruflichen Kontext nicht die Freiheiten haben, wie im Privaten. Denn da müssen wir auch mal Gespräche führen, auf die wir keine Lust haben. Hier ist es wichtig, dass du ein gewisses Feingefühl für das entwickelst, was du kommunizierst. 

In dem Sinne, dass du achtsam mit dem bist, was du zu wem sagst. Denn vielleicht ist es nicht ganz so günstig, auf eine Frage nicht zu antworten, die du unangenehm findest, wenn dich das deinen Job oder die Beförderung kosten könnte. Wenn also dein Ziel die Beförderung ist und du magst den Kollegen XY oder deinen Vorgesetzten nicht, dann behalte lieber dein Ziel im Fokus. Lasse dich durch bestimmte Kommentare und Äußerungen nicht verunsichern. Lasse nicht zu, dass du dich schlecht fühlst, sondern grenze dich auch hier wieder ab und sage dir: Ich kenne meinen Vorgesetzten. Ich weiß, wie er kommuniziert, das ist seine Sache, das bleibt bei ihm. Er redet so. Er hat diesen Tonfall, er hat diese Haltung mir gegenüber. Und die nehme ich nicht an.  

Denn es geht ja für dich immer um dich. Es geht darum, wie es dir mit deiner Kommunikation geht.  

Und nun möchte ich von dir wissen: Wie geht es dir mit deiner Kommunikation, wenn dir jemand eine unangenehme oder freche Frage stellt? Ziehst du dich zurück und ärgerst dich später darüber oder hast du die Situation im Griff? Konterst du ebenso frech oder gehst du der Frage auf den Grund? Hinterlasse mir gern einen Kommentar, denn ich freue mich auf einen Austausch mit dir.  

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