Wie du deutlich sprichst und dein Gegenüber noch besser erreichst.

Sabrina AdamsAussprache, Präsentationen, VerkaufenLeave a Comment

Deutlich sprechen

„Wie bitte?“ „Was hast du gesagt?“ „Kannst du den letzten Satz bitte noch mal sagen?“ Schwierigkeiten beim Verstehen anderer Menschen kann viele Gründe haben. Gerade, wenn wir per Smartphone kommunizieren, kann die Verbindung schlecht sein oder wir laufen gerade durch die Großstadt, sind von Autos, anderen Menschen und einer Menge Lärm umgeben. Die Akustik im Raum ist Schuld, das Mikrofon nicht gut, das Publikum zu unruhig oder aber du sprichst einfach zu undeutlich!

Sprechen bedeutet Lautbildung – doch womit?

Ob wir deutlich sprechen oder nuscheln, hängt einzig und alleine von unserem Sprechapparat ab, genauer noch, von unseren Artikulatoren. Diese sind nämlich für unsere Lautbildung verantwortlich, also dafür, dass wir Wörter und Sätze sprechen und miteinander reden können. In meinem Artikel „Lachen, weinen und miteinander reden – unsere Stimme“ habe ich bereits beschrieben, dass die Lautbildung von einer Vielzahl von Artikulatoren abhängt und ich werde nun etwas genauer darauf eingehen. Es gibt so genannte passive und aktive Artikulatoren, also welche, die sich bewegen und andere, die nur in der Landschaft herum stehen. Wir brauchen dennoch alle, um das gesamte Lautinventar, also alle Konsonanten und Vokale, sprechen zu können.

Passive Artikulatoren

Zu den passiven Artikulatoren gehören unsere Zähne, der Zahndamm und der harte Gaumen. Die aktiven umfassen die Zunge, Lippen, unseren Kiefer, den weichen Gaumen, das Zäpfchen und die Glottis. Die passiven Artikulatoren sind, wie der Name bereits verrät, passiv. Das heißt, sie sind zwar vorhanden, können sich aber nicht bewegen und sind somit unveränderbar. Dennoch nehmen sie eine wichtige Rolle beim Sprechen ein, was an Kindern gut verdeutlicht werden kann. Wenn diese ihre Milchzähne verlieren und eine riesige Lücke im Mund haben, dann hören sich bestimme Laute zu dieser Zeit etwas verändert an. Auch Zahnverschiebungen durch Zahnspangen oder Operationen können zu einem veränderten Sprechen führen, da die Zunge erst wieder lernen muss ihren neuen Platz zu finden.

Aktive Artikulatoren

Entscheidender für dich sind jedoch die aktiven Artikulatoren, denn diese können sich aktiv bewegen und sind somit trainierbar. Wobei wir auch diese näher einschränken müssen, denn wir haben nur auf drei Artikulatoren wirklich Einfluss, und zwar auf unsere Zunge, Lippen und den Kiefer.

Hauptverantwortliche für deutliches Sprechen: Zunge, Lippen, Kiefer

So weit so gut, doch was kannst du damit anfangen? Mir war es wichtig der Vollständigkeit halber den gesamten Sprechapparat zu erwähnen, doch das meiste hiervon kannst du gleich wieder vergessen. Das einzige, was für dich interessant und wichtig ist, sind die Zunge, Lippen und der Kiefer. Diese drei können nämlich trainiert werden und sind Hauptverantwortliche für deutliches Sprechen. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Unsere Zunge besteht aus einer Menge von Muskeln und betreibt beim Sprechen eine Glanzleistung. Ob sie sich vorne nun spitz macht, die Ränder anhebt oder hinten an den Gaumen wandert, sie ist beim Sprechen auf jeden Fall sehr aktiv. Probiere es gleich einmal aus und bilde ein „sch“, „ch“ und „t“. Was macht deine Zunge dabei? Kannst du es näher beschreiben? Versuche deine volle Aufmerksamkeit in deinen Mund zu richten und hineinzuspüren, was deine Zunge macht.

Kommen wir nun zu unseren Lippen. Auch sie bestehen aus Muskulatur und sind beim Sprechen aktiv. Vielleicht betreiben sie nicht ganz so viel Sport wie unsere Zunge, aber sie sind dennoch beim Sprechen fleißig dabei. Auch das kannst du direkt testen. Sprich die gleichen Laute wie eben: „sch“, „ch“ und „t“. Was machen deine Lippen? Du kannst versuchen auch hier erst einmal über das Spüren zu gehen und dann im zweiten Schritt in einen Spiegel zu schauen. Ich empfehle hier immer dein Smartphone, da du es mit hoher Wahrscheinlichkeit bei dir hast. Bilde also die Laute „sch“, „ch“ und „t“ und schaue dir dabei deine Lippen an. Was machen sie?

Und welche Rolle nimmt unser Kiefer beim Sprechen ein? Er kann entweder so festgehalten werden, dass die Zähne beim Sprechen aufeinandergepresst sind oder aber er öffnet sich und lässt unsere Worte damit nach außen dringen. Auch hier habe ich ein kleines Experiment für dich. Nimm dir einen Spiegel in die Hand und lasse diesen erst einmal in deiner Hand. Solltest du keinen Spiegel haben, nimm gerne wieder dein Smartphone. Jetzt stelle dich einmal kurz vor, wie du heißt, wo du wohnst, was du machst etc. und nimm währenddessen deinen Spiegel langsam vor deinen Mund. Wie weit gehen deine Zähne beim Sprechen auseinander? Bewegt sich da etwas? Oder sind die Zähne dicht aufeinander? Ich beobachte es oft in meinen Coachings, dass die eigene Wahrnehmung nicht mit dem übereinstimmt, was der Sprecher macht. Vielleicht wird es dir ähnlich gehen und du stellst voller Erstaunen fest, dass sich dein Kiefer so gut wie gar nicht bewegt, obwohl du das Gefühl hast, hier wäre einiges in Bewegung.

So kannst du deutlicher sprechen

Es ist also deutlich geworden, dass es sich bei unserem Sprechapparat vor allem um Muskeln handelt, die trainierbar sind und unterschiedlich benutzt werden können. Doch was kannst du konkret tun, wenn du merkst, dass du undeutlich sprichst und es gerne ändern möchtest? Als erstes ist auch hier wieder Ursachenforschung angesagt. Mach dich auf die Suche nach den oder dem „Verantwortlichen“. Ist es deine Zunge, sind es die Lippen oder ist es vielleicht dein Kiefer?

Hauptverantwortlicher: Zunge

Deine Zunge könnte an der ein oder anderen Stelle noch mehr tun und du möchtest sie gerne trainieren? Es gibt eine Vielzahl von Übungen und ich werde hier zwei Übungen für dich vorstellen, die sich in meiner Arbeit am besten bewährt haben.

Übung 1: Zungenspitze in rechten und linken Mundwinkel
Öffne deinen Mund und führe die Zungenspitze möglichst gerade in den rechten und anschließend in den linken Mundwinkel. Es ist wichtig, dass die gesamte Zunge, insbesondere die Zungenspitze, hierbei gerade bleibt.

Übung 2: Oberlippe antippen
Der Mund wird geöffnet, die Zunge gerade herausgestreckt und anschließend mit der Zungenspitze an die Mitte der Oberlippe getippt. Versuche deine Zunge möglichst schmal und spitz zu halten.

Hauptverantwortlicher: Lippen

Beim Blick in den Spiegel ist dir aufgefallen, dass sich deine Lippen beim Sprechen nur wenig bewegen und du willst diese noch mehr zum Einsatz bringen? Auch hier möchte ich dir wieder zwei Übungen vorstellen.

Übung 1: Lippen spitz und breit machen
Runde deine Lippen spitz nach vorne (Kussmund) und ziehe diese anschließend wieder in die Breite (Lachmund). Diese Übung kannst du sowohl mit geschlossenen, als auch mit offenen Lippen machen.

Übung 2: Fischmund
Die Lippen werden spitz nach vorne gerundet (Kussmund) und anschließend leicht geöffnet, sodass sich die Lippen nicht mehr berühren und man die Zähne sieht. Wechsel zwischen geschlossenen und offenen Lippen ab, während du die Lippen konstant vorne behältst.

Hauptverantwortlicher: Kiefer

Du hast bemerkt, dass dein Kiefer ziemlich fest ist und sich beim Sprechen kaum bewegt? Die Zähne sind dicht beieinander und du kannst deine Zunge kaum sehen? Jetzt verhält es sich etwas anders als zuvor, denn diesmal wird die Kiefermuskulatur festgehalten. Es ist jetzt nicht mehr mit Muskeltraining getan. Vielmehr muss die Spannung im Kiefergelenk gelöst werden, doch was so einfach klingt, ist oft gar nicht so leicht. Bevor ich dir jedoch eine Übung vorstelle, versuche erstmal Folgendes: Öffne deinen Mund langsam immer weiter, bis ein Widerstand entsteht. Versuche nun ein kleines bisschen über diesen Wiederstand zu gehen, aber nur so weit, dass es weder unangenehm ist noch knackt. Es darf sich anstrengend anfühlen, aber nicht weh tun! Halte diese Öffnung für ein paar Sekunden und falls du einen Spiegel zur Hand hast (denke an dein Smartphone ;)), schaue dich einmal an. Du wirst vielleicht das Gefühl haben, dass dein Mund viel weiter geöffnet ist, als dies der Fall ist. Als Orientierung kannst du dir merken, dass dein Mund jetzt ca. 2 Finger breit geöffnet sein sollte. Das ist jedoch nur eine Richtlinie, kein Muss oder „so ist es richtig“. Kommen wir nun zu einer Übung. Sie zielt darauf ab, den Kiefer zu lockern und in eine Öffnung zu kommen, die dann pö à pö ins Sprechen übertragen werden kann.

Übung: Kiefer ausstreichen
Setze die beiden Handballen oben am Kiefergelenk an und streiche langsam das Kiefergelenk nach unten aus. Dein Unterkiefer fängt dabei an sich immer weiter zu öffnen. Wichtig ist, dass die Unterkiefermuskulatur entspannt bleibt und sich der Unterkiefer am Ende der Übung möglichst weit unten befindet (ca. 2-3 Finger breit).

Was ist dein Warum?

So weit so gut. Fassen wir vielleicht noch einmal zusammen, wofür die Übungen gut sind und welchen Nutzen du davon hast. Falls du auch schon mal damit konfrontiert wurdest, dass dein Gegenüber häufig nachfragt oder du vielleicht selbst festgestellt hast, dass du undeutlich sprichst, dann gibt es verschiedene Gründe hierfür. Es kann sein, dass deine Zungen- oder Lippenmuskulatur an der ein oder anderen Stelle noch etwas Training braucht oder aber du gehörst eher zu der gemütlichen Fraktion und ein bisschen mehr Aktivität könnte deinem Sprechapparat gut tun. Vielleicht bemerkst du aber auch, dass dein Kiefer oft fest ist, die Zähne beim Sprechen dicht aufeinander sind und mehr Lockerung hilfreich wäre. Gehe auf Ursachenforschung und suche dann gezielt die passende Übung für dich aus. Welche Vorteile könnte es für dich haben deutlicher zu sprechen? Frage dich nach deinem Warum!

  • Du wirst klar und deutlich verstanden
  • Deine Zuhörer können deine Botschaft besser verstehen
  • Missverständnisse werden minimiert
  • Gesprächspartner mit einer anderen Muttersprache oder einem anderen Dialekt haben es leichter dir zu folgen
  • Du wirkst professioneller
  • Störgeräusche, besonders am Telefon, fallen nicht mehr so stark ins Gewicht
  • Man kann dir insgesamt besser folgen und sich aufs Wesentliche konzentrieren
  • Deine Stimme wird entlastet, sodass dir längeres Sprechen vor größeren Gruppen leichter fällt

Oder aber du hast einfach Lust darauf!

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