Wie du mit Menschen umgehst, die viel reden und nicht zuhören

Wie du mit Menschen umgehst, die viel reden und nicht zuhören

Dein Gegenüber redet und redet. Ohne Punkt und Komma. Kaum hast du angesetzt, um etwas zu sagen, wirst du auch schon wieder unterbrochen. Du fühlst dich übergangen und bist genervt von diesem Monolog. – Menschen, die viel reden und nicht zuhören, begegnen uns in allen Kontexten: Mal ist es die Nachbarin, mal der Kollege. Doch nur selten steckt hinter diesem Verhalten böse Absicht. Oft sind diese Menschen unsicher und wünschen sich sehnlichst, gesehen und gehört zu werden.

In diesem Artikel erfährst du, warum manche Menschen ununterbrochen reden, was das bei dir auslöst und vor allem, wie du im beruflichen und privaten Kontext souverän und respektvoll damit umgehen kannst.

Das Wichtigste zu Menschen, die viel reden und nicht zuhören:

  • Menschen, die viel reden und wenig zuhören, nehmen in einem Gespräch sehr viel Raum ein und wirken auf den ersten Blick oft dominant und selbstsicher.
  • Zu den Gründen für Vielredner:innen gehören Unsicherheit, Selbstzweifel oder aufgebrauchte Ressourcen.
  • Wenn jemand ununterbrochen redet, fühlst du dich übergangen, nicht ernst genommen oder bist genervt.
  • Mit verschiedenen Strategien kannst du reagieren: die Person unterbrechen, lauter werden, das Gespräch ganz beenden oder Humor nutzen.

Inhalte

Definition: Menschen, die viel reden und nicht zuhören – was macht sie aus?

Menschen, die viel reden und wenig zuhören, zeichnen sich durch eine dominante Kommunikation aus. Sie nehmen in einem Gespräch sehr viel Raum ein, was auf den ersten Blick auch selbstsicher wirken kann. Meistens steckt dahinter jedoch genau das Gegenteil. Dazu kommen wir später.

Typische Merkmale von Menschen, die viel reden und kaum zuhören:

  • Sie reden ununterbrochen und lassen kaum eine Lücke, um in das Gespräch einzusteigen
  • Sie unterbrechen andere und ziehen immer wieder das Wort an sich.
  • Sie können nur schwer, bewusst zuhören und die Perspektive des Gegenübers verstehen.
Typische Merkmale von Menschen, die viel reden und kaum zuhören

Die Balance zwischen Reden und Zuhören fehlt bei Talkaholics

Vielleicht assoziierst du mit so einer Person direkt Bilder: Der Wichtigtuer, der im beruflichen Kontext seiner Kollegin die Welt erklärt. Oder die übergriffige Nachbarin, die ohne Punkt und Komma über jedes kleinste Detail berichtet.

Diese typischen Schubladen sind sehr vereinfacht. In der Realität ist das ganze komplexer, da wir Menschen so unterschiedlich sind. Schauen wir also genauer hin.

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4 Gründe, warum manche Menschen viel reden und nicht zuhören

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen eher reden als zuhören. – Und fast immer steckt mehr dahinter, als du auf den ersten Blick denkst. In den wenigsten Fällen sind sich diese Menschen überhaupt darüber bewusst, wie sie mit anderen umgehen.

1. Grund, warum Menschen viel reden und kaum zuhören: Aufgebrauchte Ressourcen

Manche Menschen haben in der Vergangenheit sehr viel gegeben und ihre Ressourcen, anderen zuzuhören, sind aufgebraucht. Sie können sich nicht mehr um andere kümmern und möchten nun selbst gehört und gesehen werden.

2. Grund, warum Menschen viel reden und kaum zuhören: Fehlende Selbstsicherheit

Wer sich unsicher fühlt, neigt dazu, dies zu überspielen und hinter vielen Worten zu verstecken. Denn so behalten diese Menschen die Kontrolle, anstatt sich authentisch zu zeigen. „Hauptsache reden, dann bin ich sicher“ steckt als unbewusster oder bewusster Glaubenssatz dahinter.

3. Grund, warum Menschen viel reden und kaum zuhören: Wunsch nach Anerkennung

Der Wunsch, gesehen und gehört zu werden, ist normal. Doch Menschen, bei denen dieses Bedürfnis schon lange unerfüllt ist, suchen diese Bestätigung im Gespräch mit anderen. – Sie erzählen viel von sich, geben ungefragt Ratschläge und bringen ihre Themen ein. Oft ohne zu merken, dass sie andere damit übergehen.

4. Grund, warum Menschen viel reden und kaum zuhören: Gewohntes Muster

Es gibt Menschen, die haben nie gelernt, aktiv zuzuhören. Reden ist ihr Standardmodus.

Als Expertin für Kommunikation behaupte ich sogar, dass das bei sehr vielen Menschen so ist und wir als Gesellschaft wieder lernen dürfen, uns aufmerksam zu begegnen und aktiv zuzuhören. Das erfordert Bewusstsein und Übung.

4 Gründe, warum manche Menschen viel reden und nicht zuhören

Wenn jemand ununterbrochen redet – was dieses Verhalten bei dir auslöst

Wenn du einem Menschen gegenübersitzt, der viel redet und nicht zuhört, macht das etwas mit dir. – Beruflich und privat. Vielleicht fühlst du dich übergangen, nicht ernst genommen oder bist einfach genervt von dem Redeschwall.

In so einer Situation ist der erste Schritt, dich zu fragen: Was ist dein Ziel?

  • Willst du unbedingt zu Wort kommen und deine Idee einbringen?
  • Willst du das Gespräch ganz beenden?
  • Oder bist du bereit es für die Beziehung zu diesem Menschen laufen zu lassen und entscheidest dich bewusst für das weitere Zuhören?

7 Tipps, um mit Menschen, die viel reden und nicht zuhören, umzugehen – privat und beruflich

Wenn du dir über dein Ziel klar bist, bekommst du jetzt 7 Tipps, wie du privat und beruflich auf solche Menschen souverän reagieren kannst.

1. Tipp für den privaten Kontext: Vielredner:innen stoppen

Dein Ziel ist, aus dem Monolog einen Dialog zu machen. Geh dafür auf die Metaebene und sprich die Dinge offen an. Du spiegelst der Person so ihr Verhalten und sie hat die Möglichkeit, sich darüber bewusst zu werden und etwas zu verändern.

Ein Beispiel, um Vielredner:innen zu stoppen:

„Jetzt habe ich dir 10 Minuten zugehört. Nun möchte ich dir gerne auch etwas von mir erzählen. Bist du bereit, mir zu zuhören?“

Oder: „Ich habe den Eindruck, dass ich dir die meiste Zeit zuhöre und selbst wenig zu Wort komme. Da bin ich frustriert, weil ich auch etwas von mir erzählen möchte.“

Meine Empfehlung: Unterbrichst du dein Gegenüber, achte darauf, dass du keine Vorwürfe machst, sondern die Gewaltfreie Kommunikation und Ich-Botschaften dafür nutzt.

2. Tipp für den privaten Kontext: Status Quo akzeptieren

Kommunikation hängt immer von beiden Seiten ab. Hast du alles versucht, doch dein Gegenüber ändert nichts an dessen Redefluss: akzeptier es. Du hast nur deine Seite des Gesprächs in der Hand und kannst den anderen nicht dazu zwingen, etwas zu verändern.

Du darfst auf dich achten und Grenzen setzten

Das heißt nicht, dass du jeden Monolog aushalten musst. Entweder entscheidest du dich bewusst dafür oder aber du brichst das Gespräch ab, wenn es dir nicht guttut und dich zu viele Ressourcen kostet.

Ein Beispiel, wenn jemand ununterbrochen redet:

„Ich habe jetzt noch einen Termin und möchte pünktlich kommen. Deshalb muss ich jetzt leider gehen.“

Oder: „Ich habe gerade keinen Kopf dafür, ich habe gerade selbst viel um die Ohren.“

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3. Tipp für den privaten Kontext: Raum geben

Manchmal hilft es tatsächlich, wenn du diesem Menschen Raum gibst, damit er sich gesehen und gehört fühlt. Bei eurem nächsten Gespräch ist er dann vielleicht in der Lage, dir zuzuhören.

Es kann aber auch passieren, dass diese Person dann noch mehr erzählt. Hier darfst du schauen, ob du ganz aus dem Gespräch aussteigst oder bleibst.

4. Tipp für den beruflichen Kontext: Hartnäckig sein

Wenn du im beruflichen Kontext zu Wort kommen willst, hilft dir auch die Metakommunikation. Jedoch ist es hier manchmal nötig, dass du etwas hartnäckiger bist und durch Präsenz und je nachdem auch eine gewisse Lautstärke auf dich aufmerksam machst.

Ein Beispiel, um Dauerredner:innen zu stoppen:

„Ich unterbreche dich an dieser Stelle, denn ich möchte einen wichtigen Punkt ergänzen.“

Oder: „Bevor wir hier abweichen, möchte ich noch eine weitere Idee einbringen.“

Wirst du erneut unterbrochen, darfst du die konventionellen Kommunikationsregeln außen vorlassen und „stur“ weiterreden: „Moment, ich will meinen Punkt noch zu Ende bringen.“

5. Tipp für den beruflichen Kontext: Dich vorbereiten

Wenn du vorher bereits weißt, dass du bald mit einem Menschen in einem Meeting oder Termin zusammensitzt, der viel redet und andere kaum zu Wort kommen lässt, bereite dich vor:

  • Notier dir dein Ziel für das Gespräch und deine wichtigsten Punkte, damit du sie leichter abrufen kannst.
  • Formulier dafür kurze, verständliche Sätze, damit dein Gegenüber deine Botschaft leicht versteht.

6. Tipp für den beruflichen Kontext: Strategisch vorgehen

Du hast bereits alles versucht, um den Redefluss deines Gegenübers zu unterbrechen, und es bringt einfach nichts. Dann bleibt dir nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Denn du hast nur deinen Teil der Kommunikation in der Hand.

Jetzt ist es an der Zeit, strategisch vorzugehen:

  • Du setzt dich nur noch per Mail mit dieser Person auseinander, statt persönlich mit ihr zu sprechen.
  • Du klärst Dinge nur, wenn du eine klare zeitliche Begrenzung wie die Mittagspause oder einen weiteren Termin hast.
  • Du besprichst dich mit andere Kolleg:innen falls möglich.

7. Tipp für beide Kontexte: Humorvoll reagieren

Manchmal bleibt dir nur noch übrig, mit Humor auf Dauerredner:innen zu reagieren. Schau, dass du dabei charmant und nicht schnippisch oder von oben herab redest. Denn dein Ziel ist, dass du die andere Person mit einem Augenzwinkern erreichst und zum Innehalten bringst.

Beispiele, um Dauerredner:innen mit Humor zu begegnen:

„Deal: Du hast noch 1 Minute, dann bin ich dran.“
„Du hast richtig viele Gedanken. – Lass mich einen davon aufgreifen.“
„Spannend, was du sagst! Mein Input dazu in Kurzform: …“

7 Tipps im Umgang mit Vielredner:innen

Wenn du selbst ein Mensch bist, der viel redet und wenig zuhört

Falls du selbst jemand bist, der viel redet und anderen wenig zuhört, kann ich dir sagen: Es ist möglich, das zu ändern und deine Kommunikation zu verbessern.

Deine Kommunikation ist veränderbar – mit Bewusstsein und Übung

Der erste Schritt dafür ist, dass du dir dessen bewusst bist und etwas verändern willst. – Und das bist du, sonst würdest du das hier nicht lesen.

Mit Beobachtung und gezieltem Training kannst du lernen, dass ein Dialog aus zwei Seiten besteht und erst so eine echte Verbindung möglich ist. Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, meld dich gerne bei mir.

Fazit

Menschen, die viel reden und wenig zuhören, tun das selten aus Absicht. Oft stecken Unsicherheit oder das unerfüllte Bedürfnis nach Anerkennung dahinter. Du darfst selbst entscheiden, ob du für einen monologartigen Redefluss zu haben bist oder lieber deine eigenen Ressourcen schützt. Wenn du das für dich weißt, kannst du mit klaren Grenzen, Akzeptanz oder Humor reagieren.

Menschen, die ununterbrochen reden und daran etwas ändern möchten, sind dazu in der Lage. Wichtig ist das eigene Bewusstsein für die Kommunikation. Wenn du dir Hilfe dabei wünschst, oder Unterstützung suchst, um mit Vielredner:innen besser umzugehen, begleite ich dich gerne dabei.

FAQ – Häufige Fragen zu Menschen, die viel reden und nicht zuhören

Warum reden manche Menschen ununterbrochen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen viel reden und kaum zuhören. Selten ist es böse Absicht.

Häufig steckt dahinter, dass ihre eigenen Ressourcen, anderen zuzuhören, aufgebraucht sind und sie selbst einmal im Mittelpunkt stehen wollen. Weitere Gründe sind Selbstzweifel, die sie versuchen, hinter vielen Worten zu verstecken, oder der Wunsch nach Anerkennung.

Was kann ich tun, wenn Menschen nur reden und nicht zuhören?

Wenn du einem Menschen gegenübersitzt, der viel redet und nicht zuhört, macht das etwas mit dir: Du bist genervt, fühlst dich nicht ernst genommen oder bist einfach erschöpft

Frag dich in so einer Situation zuerst, was dein Ziel ist: Willst du unbedingt zu Wort kommen, das Gespräch ganz beenden oder entscheidest du dich bewusst für das weitere Zuhören?

Wenn du das weißt, kannst du mit verschiedenen Strategien reagieren: klare Grenzen setzen, den anderen unterbrechen, die Situation akzeptieren oder Humor nutzen.

Wie kann ich Vielredner:innen stoppen?

Geh dafür zunächst auf die Metaebene und sprich die Dinge offen an. Ein Beispiel: „Du, jetzt habe ich dir 10 Minuten zugehört. Jetzt möchte ich dir gerne auch etwas von mir erzählen.“ Achte darauf, dass du respektvoll bleibst und dafür Ich-Botschaften nutzt.

Manchmal reicht das jedoch nicht und besonders im beruflichen Kontext darfst du hartnäckiger sein: Zeig Präsenz und nutz je nachdem auch eine gewisse Lautstärke, um auf dich aufmerksam zu machen.

Willst du klar kommunizieren und dich beim Sprechen wohl fühlen? Dann werde Teil meines Newsletters „Bewusste Kommunikation“. Jede Woche erhältst du eine E-Mail von mir für deine klare und (selbst-)bewusste Kommunikation. 

Sabrina Adams
Sabrina Maru Adams

Expertin für Stimme und Kommunikation, Wirtschaftspsychologin (M.Sc.) und Logopädin.

Ich liebe Menschen und ihre Einzigartigkeit. Seit 2011 begleite ich Selbstständige und Angestellte auf ihrem Weg zu einer klaren und selbstbewussten Kommunikation, die zu ihnen passt. Damit sie mit ihrer Persönlichkeit begeistern. Du bist wertvoll, genauso, wie du bist und kannst Wertvolles erschaffen, wenn du dich selbst zum Ausdruck bringst. Erfahre mehr über mich und hör in meinen Podcast rein.

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