Teufelskreis Räuspern

Sabrina AdamsStimme2 Comments

Teufelskreis Raeuspern

Das Telefon klingelt, Sie räuspern sich und heben ab. Sie sind mit Ihrer Präsentation als nächster dran, verlassen Ihren Platz, stellen sich vor die Gruppe und beginnen auch hier Ihren ersten Satz mit einem kurzen Räuspern. Sie befinden sich in einem wichtigen Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten oder Mitarbeiter, nachdem Sie eine Tasse Kaffee mit frischer Milch getrunken haben und müssen sich ständig räuspern, um den nervigen Schleim weg zu bekommen. Kennen Sie solche oder ähnliche Situationen?

Wie Sie bereits gemerkt haben geht es um ein weit verbreitetes Phänomen: das Räuspern. Bei einigen ist aus einer Gewohnheit schon ein richtiger Räusperzwang geworden, doch warum ist das so? Warum tun wir das so oft? Schauen wir uns einmal näher an was hierbei geschieht und wieso man so leicht in diesen Teufelskreis kommt.

Was passiert beim Räuspern?

Wenn wir eine Weile nicht reden, sind unsere Stimmlippen permanent geöffnet. Die Luft kann jetzt ungehindert rein und raus strömen und vorhandener Schleim hat die Möglichkeit sich bequem um die Stimmlippen herum auszubreiten. Plötzlich klingelt Ihr Telefon oder ein Kollege stellt Ihnen eine Frage – und Sie räuspern sich erst einmal, bevor Sie antworten. Was genau passiert in diesem Moment? Ihre Stimmlippen knallen mit Gewalt kurz aneinander, der vorhandene Schleim ist weg – erstmal zumindest. Denn was Sie nicht merken ist die Auswirkung des Zusammenpralls Ihrer Stimmlippen. Wenn Sie meinen Beitrag „Lachen, weinen und miteinander reden“ gelesen haben, wissen Sie, dass unsere Stimmlippen aus Muskeln, Stimmband und Schleimhaut bestehen.

Führen wir uns das vor Augen, wird schnell klar wie der Körper auf diesen „Aufprall“ reagiert. Er möchte die verletzten Stimmlippen schützen und bildet neuen Schleim. Denn was könnte eine Schleimhaut besser schützen als neuer Schleim. Herrlich, denn jetzt haben Sie eine neue Gelegenheit sich zu räuspern, Sie wollen schließlich den neuen Schleim auch loswerden – schließlich ist er beim Sprechen für Sie nur hinderlich. Und jetzt? Genau, es gibt erneut einen Zusammenprall, Ihr Körper reagiert darauf mit Schutz und produziert neuen Schleim.

Never ending story

Sie merken, dass Räuspern zwangsläufig zu weiterem Räuspern führt und Sie sich langsam aber sicher in einen Teufelskreis bringen oder sogar einen Räusperzwang entwickeln. Und so leicht kommen Sie da auch nicht raus, denn wahrscheinlich bemerken Sie es noch nicht einmal. Vielleicht fällt es Ihren Mitmenschen oder Zuhörern auf, vielleicht bemerken aber auch diese Ihr Räuspern nicht direkt, können Ihnen aber nicht so gut zuhören wie anderen Menschen. Die wichtige Frage ist nun wie Sie aus diesem Teufelskreis wieder raus kommen?

Schluss mit Räuspern
Schritt 1: Wahrnehmung

Ganz einfach – achten Sie drauf. Nehmen Sie Ihr Räuspern wahr und Sie haben schon die erste große Hürde geschafft, um es zu besiegen. Denn wenn Sie Ihre Wahrnehmung darauf richten und es bemerken, dann können Sie es stoppen. Sie werden anfangs vielleicht nicht ganz so begeistert von der Idee sein, denn plötzlich bemerken Sie wie oft Sie sich räuspern und sind schnell selbst davon genervt. Doch wenn Sie an diesem Punkt sind, dann ist Ihr Ziel nicht mehr weit.

Schritt 2: Bremsen

Sie merken, wenn Sie sich räuspern und sind immer um ein Haar zu spät, dann können Sie Schritt 2 angehen. Versuchen Sie sich noch währenddessen zu bremsen und seien Sie stolz darauf, dass es Ihnen gelungen ist. Auch wenn Sie sich noch halb geräuspert haben, konnten Sie immerhin in das Geschehen direkt eingreifen. Jetzt brauchen Sie eine Idee, um Ihr Räuspern zu ersetzten, falls der viele Schleim Sie plagt. Summen Sie locker und kurz mit geschlossenen Lippen auf <m>, denn auch das bewegt Ihren Schleim weg. Oder schlucken Sie den Schleim einfach runter. Entweder reicht Ihr Speichel dafür aus oder Sie trinken einen Schluck stilles Wasser.

Schritt 3: Geschafft

Sie haben es geschafft. Sie wollten sich räuspern, konnten es aber noch rechtzeitig unterbinden – jetzt haben Sie wirklich Grund zur Freude und können stolz auf sich sein. Zwar denken Sie immer noch dran und können noch nicht ganz unbefangen sprechen wie früher, aber Sie können es immerhin schon unterbinden. Ihre Stimmlippen werden Ihnen dankbar sein, denn sie müssen nicht ständig diese Schläge ertragen. Und auch Sie werden merken, dass plötzlich viel weniger Schleim da ist als vorher.

Schritt 4: Reden wie vorher

Ihren Stimmlippen geht es gut, die Schleimproduktion wurde zurückgefahren und Ihr Gehirn hat den Prozess so langsam automatisiert. Und Sie – Sie können unbeschwert wie vorher reden ohne ständig an das nervige Räuspern zu denken. Mit einem einzigen Unterscheid – Sie räuspern sich nicht mehr.

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