Aktives Zuhören nach Carl Rogers - So gelingt es dir

Aktives Zuhören nach Carl Rogers: So gelingt es dir

Zuhören ist nicht gleich zuhören: Du kannst zuhören und dir Gedanken darüber machen, was du als nächstes sagen wirst, immer wieder aufs Handy schauen oder deinem Gegenüber ins Wort fallen. Oder du richtest deine volle Aufmerksamkeit auf dein Gegenüber, bist ehrlich interessiert und fragst nach. – Dieses aktive Zuhören schafft Verbindung. Denn du zeigst deinem Gegenüber: Ich interessiere mich für dich und will dich verstehen.

In diesem Artikel erfährst du, was aktives Zuhören nach Carl Rogers genau bedeutet, wieso es eine der wichtigsten Fähigkeiten für eine wertschätzende Kommunikation ist und mit welchen Techniken und Übungen du es Schritt für Schritt in deinen Alltag integrieren kannst.

Das Wichtigste zu aktives Zuhören nach Carl Rogers auf einen Blick:

  • Hörst du aktiv zu, bist du gedanklich ganz bei deinem Gegenüber und zeigst Interesse.
  • Durch aktives Zuhören fühlt sich die andere Person gesehen und wertgeschätzt.
  • Hörst du aktiv zu, signalisierst du das mit Signalen wie einem Nicken, Blickkontakt oder einem „Ah, ok.“
  • Zu aktivem Zuhören gehören verbale, nonverbale und paraverbale Techniken.
  • Du kannst aktives Zuhören lernen und mit wirksamen Übungen in deine Kommunikation einbauen.

Inhalte

Definition: Was ist aktives Zuhören?

Aktives Zuhören bedeutet, einem Menschen aufmerksam zuzuhören, um seine Botschaft wirklich zu verstehen. Dabei geht es nicht nur um die gesprochenen Worte, sondern auch um Gefühle, Bedürfnisse und die eigentliche Absicht hinter dem Gesagten.

Hörst du aktiv zu, bist du gedanklich präsent, zeigst Interesse und signalisierst das deinem Gegenüber mit Aufmerksamkeitssignalen wie ein Nicken oder ein „Ah ja.“ So fühlt sich dein Gegenüber gesehen und verstanden.

Die 3 Elemente des aktiven Zuhörens nach Carl Rogers

Der US-amerikanische Psychologe Carl Rogers hat das aktive Zuhören definiert. Laut ihm funktioniert es nur, wenn deine innere Haltung stimmig ist. Dazu gehören diese 3 zentralen Elemente:

  • Empathie und Offenheit:

Du begegnest deinem Gegenüber feinfühlig und wertfrei. Du hörst zu, ohne die Aussagen zu bewerten, um es wirklich zu verstehen.

Du zeigst dich als der Mensch, der du bist. Und zwar ohne eine Rolle zu spielen. Dadurch machst du dich nahbar.

  • Wertschätzung und Akzeptanz:

Du begegnest deinem Gegenüber wertschätzend und siehst ihn als gleichwertig an. Alle Gedanken und Gefühle des anderen dürfen ausgesprochen werden, unabhängig davon, was du darüber denkst.

3 Elemente des aktiven Zuhörens nach Carl Rogers

Was sind die Vorteile des aktiven Zuhörens?

Das aktive Zuhören ist der Schlüssel für wertschätzende, gelingende Gespräche. – Das ist meine Meinung als Expertin für Kommunikation.

Denn beim aktiven Zuhören bist du nicht nur physisch anwesend, sondern hörst auch aufmerksam und empathisch zu. Das bringt dir diese Vorteile:

  • Positives Gesprächsklima:

Gespräche verlaufen oft ruhiger und konstruktiver, weil sich alle Beteiligten respektiert fühlen.

  • Verbindung:

Durch deine Aufmerksamkeitssingale fühlt sich dein Gegenüber gesehen und verstanden. So hat es das Gefühl, sich öffnen und zeigen zu können.

Du bekommst alles mit und kannst direkt nachfragen, wenn etwas unklar ist. Es kommt zu weniger Kommunikationsproblemen in jeder Art von Beziehungen.

  • Stärkere Beziehung:

Du lernst dein Gegenüber besser kennen, denn du nimmst dessen Botschaft wirklich wahr.

So geht´s: Techniken des aktiven Zuhörens nach Carl Rogers

Zum aktiven Zuhören gehören verschiedene Techniken aus diesen 3 Bereichen: verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation. Denn aktives Zuhören passiert über deine Worte, Körpersprache und Stimme.

Techniken des aktiven Zuhörens

5 verbale Techniken des aktiven Zuhörens + Beispiele

Verbale Techniken beziehen sich auf deine Worte. Also das, was du sagst, wenn du aktiv zuhörst.

1. Verbale Technik des aktiven Zuhörens: Paraphrasieren

Beim Paraphrasieren gibst du in deinen eigenen Worten wieder, was du gehört hast. Dadurch weiß dein Gegenüber, was bei dir angekommen ist und kann Missverständnisse direkt klarstellen. Und du zeigst: Ich habe dir aufmerksam zugehört.

Beispiel für aktives Zuhören:

Ein Teammitglied sagt: „Unsere Führungskraft hätte wenigstens sagen können: Danke, dass du dich darum gekümmert hast.“

Deine paraphrasierte Antwort könnte sein: „Wenn ich dich richtig verstehe, hättest du dir mehr Wertschätzung von deiner Führungskraft gewünscht.“

2. Verbale Technik des aktiven Zuhörens: Spiegeln

Das Spiegeln hängt eng mit dem Paraphrasieren zusammen. Es geht darum, dass du die Emotionen deines Gegenübers aufnimmst und in deinen eigenen Worten wiedergibst. Du zeigst so, dass du die gesendeten Gefühle erkannt hast.

Gleichzeitig gibst du deinem Gegenüber die Möglichkeit, die eigenen Gefühle zu reflektieren.

Beispiel für aktives Zuhören:

Dein Gegenüber sagt: „Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das alles schaffen soll neben meinen Kindern.“

Deine gespiegelte Antwort könnte sein: „Ich habe den Eindruck, dass du dich überfordert fühlst mit deinen Aufgaben und deinen zwei Kindern.“

3. Verbale Technik des aktiven Zuhörens: Nachfragen

Solltest du mehr Informationen brauchen, um zu verstehen, was dein Gegenüber meint, dann frag nach. Achte beim Nachfragen darauf, dass du nur Fragen stellst, die dir helfen, die Aussage zu verstehen.

Es geht nicht darum, das Gespräch durch Fragetechniken aktiv zu lenken oder mehr von deinem Gegenüber zu erfahren. – Nach dem Motto: „Erzähl doch mal, wie kam`s überhaupt dazu?“

Beispiel für aktives Zuhören:

Dein Gegenüber erzählt dir: „Ich frage mich, inwiefern ich in meiner Rolle als Coach authentisch sein kann.“

Deine Rückfrage könnte sein: „Was heißt für dich ‚authentisch sein‘?“

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4. Verbale Technik des aktiven Zuhörens: Klären

Ist für dich eine Aussage ungenau und unspezifisch, dann stell Rückfragen, um zu klären, was dein Gegenüber meint. Klären grenzt ans Nachfragen an, hat aber einen anderen Fokus.

Beim Nachfragen geht es darum, zusätzliche Informationen fürs Verständnis zu erhalten. Beim Klären, Unklares bzw. Ungenaues aus der Welt zu schaffen.

Beispiel für aktives Zuhören:

Dein Gegenüber sagt: „Für zukünftige Absagen wünsche ich mir, dass du mir vorher schon Bescheid gibst.“

Deine klärende Antwort könnte sein: „Was meinst du genau mit „vorher“, also bis wann soll ich dir Bescheid geben?“

5. Verbale Technik des aktiven Zuhörens: Verbale Signale geben

Zeig deinem Gegenüber verbal, dass du ihm zuhörst. Dafür sagst du so etwas wie „genau“, oder „verstehe“. Wichtig ist, dass diese Aufmerksamkeitssignale echt sind und ganz natürlich aus dir herauskommen.

Verbale Techniken des aktiven Zuhörens

5 nonverbale Techniken des aktiven Zuhörens

Die nonverbalen Techniken beziehen sich auf deine Körpersprache. Wie kannst du mit deinem Körper zeigen: Ich höre dir zu, um dich mit deiner Botschaft zu verstehen?

1. Nonverbale Technik des aktiven Zuhörens: Blickkontakt halten

Schau dein Gegenüber an, wenn du zuhörst. So zeigst du: Ich bin mit meiner Aufmerksamkeit bei dir. Wichtig ist, dass der Blickkontakt natürlich ist und du nicht künstlich anfängst dein Gegenüber anzustarren.

2. Nonverbale Technik des aktiven Zuhörens: Zugewandte Körperhaltung

Wende dich deinem Gegenüber mit deinem gesamten Körper zu und zeig dich offen. Das machst du, indem du:

  • deinen Oberkörper nach vorne richtest,
  • deine Arme öffnest und sie entspannt auf deine Beine oder auf die Armlehnen deines Stuhls ablegst.

Fühl in dich hinein, was für dich in dem Moment stimmig ist. 

3. Nonverbale Technik des aktiven Zuhörens: Nicken

Zeig deinem Gegenüber, dass du es verstehst, indem du mit dem Kopf nickst. Oft sagen wir ganz automatisch „mmhh“, während wir nicken. Auch hier gilt: Nicke ganz natürlich, wenn es für dich passend ist.

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4. Nonverbale Technik des aktiven Zuhörens: Ausreden lassen

Lass dein Gegenüber ausreden und hör zu, ohne zu unterbrechen oder ins Wort zu fallen. Wenn du merkst, dass du unbedingt etwas sagen möchtest, dann richte deine Aufmerksamkeit wieder auf dein Gegenüber.

Eine Ausnahme ist, wenn die andere Person sehr viel redet und dich nie zu Wort kommen lasst. Dann darfst du einhaken.

5. Nonverbale Technik des aktiven Zuhörens: Ruhe ausstrahlen

Atme entspannt und gleichmäßig und strahle dadurch Geduld und Ruhe aus. So signalisierst du deinem Gegenüber: Ich gebe dir den Raum und die Zeit, die du zum Erzählen brauchst.

Nonverbale Techniken des aktiven Zuhörens

3 paraverbale Techniken des aktiven Zuhörens + Beispiele

Auch wenn meistens von verbalen und nonverbalen Techniken des aktiven Zuhörens gesprochen wird, möchte ich dir noch eine weitere Ebene zeigen: die paraverbale. Wie kannst du also deinem Gegenüber mit deiner Stimme zeigen, dass du aktiv zuhörst

1. Paraverbale Technik des aktiven Zuhörens: Paraverbale Signale geben

Besonders deine emotionale Reaktion bringst du mit deiner Stimme zum Ausdruck. Denn deine Stimme klingt anders, wenn du zum Beispiel betroffen oder erschrocken bist.

Beispiel für aktives Zuhören:

Du machst paraverbale Aufmerksamkeitssignale wie „mmhhh“ oder „ah“.

2. Paraverbale Technik des aktiven Zuhörens: Lachen

Erzählt dein Gegenüber etwas Witziges, dann lach mit. – Ganz natürlich, ohne es vorzuspielen. Auch damit signalisierst du: Ich höre dir zu. Und zeigst dich gleichzeitig aktiv, weil du auf das, was dein Gegenüber erzählt, eingehst.

3. Paraverbale Technik des aktiven Zuhörens: Seufzen

Auch Seufzen ist ein Ausdruck über deine Stimme, mit dem zu zeigst: Du erkennst die Emotionen deines Gegenübers. Genau wie Lachen, geschieht auch das Seufzen meist von ganz allein, wenn du dich auf dein Gegenüber einlässt.

Paraverbale Techniken des aktiven Zuhörens

Aktives Zuhören lernen: 3 Übungen für den Alltag

Wie jede Kommunikationsfähigkeit kannst du auch aktives Zuhören trainieren. Schon kleine Übungen im Alltag können deine Gespräche verändern und einen großen Unterschied machen.

1. Übung für aktives Zuhören: 2-Minuten-Regel

Hör deinem Gegenüber zwei Minuten lang zu, ohne zu unterbrechen, Ratschläge zu geben oder von eigenen Erfahrungen zu erzählen. Konzentrier dich ausschließlich auf das, was gesagt wird.

Das mag sich erstmal leicht anhören. Doch du wirst sehen, wie schnell du sonst dabei wärst, selbst etwas zu sagen.

2. Übung für aktives Zuhören: Offene Fragen stellen

Versuch in Gesprächen häufiger Fragen zu stellen, die nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können. So lädst du dein Gegenüber ein, ausführlicher zu erzählen und Gedanken und Gefühle genauer zu beschreiben.

Ein Beispiel: „Wie hast du die Situation erlebt?“

3. Übung für aktives Zuhören: Gefühle spiegeln

Benenn in jedem Gespräch mindestens ein Gefühl deines Gegenübers. Beobachte dafür auch bewusst die Mimik, Gestik und Stimme. Oft geben sie dir zusätzliche Informationen.

Ein Beispiel: „Du wirkst enttäuscht, weil dein Vorschlag nicht berücksichtigt wurde.“

Fazit

Aktives Zuhören ist eine der wirkungsvollsten Kommunikationsfähigkeiten. Es hilft dir, dein Gegenüber wirklich zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden und Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten. Gleichzeitig stärkst du damit Vertrauen und Wertschätzung für einander.

Aktives Zuhören kannst du Schritt für Schritt trainieren. Wenn du beginnst, bewusster zuzuhören, veränderst du nicht nur deine Gespräche. – Sondern deine gesamte Art zu kommunizieren.

Erzähl mir gerne in den Kommentaren: Wie sehr hörst du bereits aktiv zu?

FAQ – Häufige Fragen zu aktives Zuhören nach Carl Rogers

Was bedeutet aktives Zuhören?

Aktives Zuhören heißt: Du hörst deinem Gegenüber bewusst zu, um dessen Botschaft wirklich zu verstehen. Dafür bist du gedanklich präsent, zeigst Interesse und signalisierst das deinem Gegenüber mit Signalen wie ein Nicken oder ein „Ah ja, ok.“

Wie funktioniert aktives Zuhören?

Laut des US-amerikanischen Psychologen Carl Rogers gelingt aktives Zuhören nur, wenn deine innere Haltung stimmt. Dazu gehört, dass du:

  • deinem Gegenüber feinfühlig und wertfrei begegnest.
  • dich als der Mensch zeigst, der du bist und dich nahbar machst.
  • dein Gegenüber wertschätzend betrachtest und ihn als gleichwertig siehst.

Wie kann man aktiv zuhören lernen?

Eine wichtige Voraussetzung für aktives Zuhören ist ehrliches Interesse an deinem Gegenüber. Verinnerliche dann noch die 3 Grundhaltungen von Carls Rogers und höre auf allen 3 Ebenen aktiv zu: verbal, nonverbal und paraverbal.

Willst du klar kommunizieren und dich beim Sprechen wohl fühlen? Dann werde Teil meines Newsletters „Bewusste Kommunikation“. Jede Woche erhältst du eine E-Mail von mir für deine klare und (selbst-)bewusste Kommunikation. 

Sabrina Adams
Sabrina Maru Adams

Expertin für Stimme und Kommunikation, Wirtschaftspsychologin (M.Sc.) und Logopädin.

Ich liebe Menschen und ihre Einzigartigkeit. Seit 2011 begleite ich Selbstständige und Angestellte auf ihrem Weg zu einer klaren und selbstbewussten Kommunikation, die zu ihnen passt. Damit sie mit ihrer Persönlichkeit begeistern. Du bist wertvoll, genauso, wie du bist und kannst Wertvolles erschaffen, wenn du dich selbst zum Ausdruck bringst. Erfahre mehr über mich und hör in meinen Podcast rein.

2 Comments on “Aktives Zuhören nach Carl Rogers: So gelingt es dir”

  1. Liebe Sabrina,

    ein wirklich toller und gut aufbereiteter Artikel! Es wundert uns sehr, dass hier bisher noch niemand kommentiert hat.

    Besonders faszinierend fanden wir die sieben Stufen des Zuhörens. Uns war bisher nicht bewusst, dass es neben dem aktiven Zuhören noch zwei weitere Formen des verstehenden Zuhörens gibt.

    Wir haben definitiv einige hilfreiche Impulse mitgenommen und werden diese zukünftig bewusster anwenden.

    Liebe Grüße
    Julia und Steffen
    von Fidertas

    1. Liebe Julia, lieber Steffen,
      danke für eure wertschätzenden Worte zu meinem Artikel „Aktives Zuhören“. Wie schön, dass er euch so gut gefällt. Ich freue mich, dass ihr jetzt auch das aufmerksame und empathische Zuhören als weitere Stufen des verstehenden Zuhörens kennt. Gerade das empathische Zuhören ist wertvoll für Gespräche.
      Liebe Grüße zu euch zurück,
      Sabrina

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